Freitag, 12. Dezember 2014
Montag, 8. Dezember 2014
Filme am Rande der Gesellschaft
Nachtrag Unlimited-Filmfestival
Das Kölner Kurzfilmfestival Unlimited war vor allem eine Leistungsshow der Ludwigsburger Filmakademie. Deren Abschlussfilme sind erkennbar. Professionell ausgeleuchtete und farbnachbestimmte Filme, vielfach in CinemaScope-Handkamera gedreht. Gute und erfahrene Schauspieler in wiederkehrenden Rollen. Ob Dealer, Stricher oder in einem ifs-Beitrag ähnlicher Machart Boxer im Türstehermilieu, vielfach geht es um junge Männer am Rande der Gesellschaft, die Träume haben, die sich unter den Unterdrückungsbedingungen des Stuttgarter Nachtlebens nicht verwirklichen lassen und osteuropäische Frauen kennen und lieben lernen, die sich in Deutschland mühsam durchschlagen.
Der Versuch einer Anrufung des subkulturellen Milieus, von Migrationsproblematik und osteuropäischem Retro-Charme, um die üblicherweise einfachen Konlfiktlagen der Helden (Identitätssuche, Freischwimmen von der Familie) aufzuwerten, bleibt das, was diese Art Filme fast immer schon waren: bürgerliche Versuche, sich dem Nichtbürgerlichen zu nähern, als Theatergänger den Schiller'schen Räuber in sich zu entdecken. Seltsam angelernt wirken dabei sowohl die Milieus als auch die Drehbücher selbst, die ganz linientreu Aktschemata und gesetzte Plotpoints erkennen lassen, den Aufbau von Figuren mit rivalisierendem Wunsch und Bedürfnis (Want and Need). Ob einmal die Route 66 entlangzufahren oder einen Sommerurlaub in Stavanger zu verbringen, das sind die austauschbaren Träume solcher fahlen Helden. Träume, die wie von den Prospekten der Reiseveranstalter abgelesen klingen.
Stavanger stammte allerdings aus einem Film, der in der Filmreihe ein zweites wiederkehrendes Milieu-Klischee ausbreitete: Das vom Landleben. Der Trend zu einer Wiederanknüpfung an den Heimatfilm, gerne als historischer Bericht über die Zeiten vor der Industrialisierung, scheint mit der fortschreitenden Digitalisierung einherzugehen und bringt ähnlich blutarme Filme hervor wie der Wunsch nach einem dramatisch-kriminellen Dasein.
Überzeugend waren dagegen vor allem die Dokumentarfilme. Gegen die Hochglanzfilme künstlicher Welten, die wie das Warmlaufen für eine Fernsehfilmkarriere wirken, punkten vor allem "authentische Portraits" echter Randexistenzen, Menschenschmuggler an der türkisch-griechischen Grenze zum Beispiel, ein libanesischer Komponist, der mit dem Staatsschutz aneinander geriet. Nicht vergleichbar und doch als Beiträge eines Festivals notgedrungen im Vergleich. Es bleibt der Eindruck, Kleists ironischer Spruch von der Notwendigkeit, einmal um die Welt herum von hinten ins Paradies gelangen zu müssen, seit der Vordereingang versperrt ist, gilt vor allem für den fiktionalen Film.
Das Kölner Kurzfilmfestival Unlimited war vor allem eine Leistungsshow der Ludwigsburger Filmakademie. Deren Abschlussfilme sind erkennbar. Professionell ausgeleuchtete und farbnachbestimmte Filme, vielfach in CinemaScope-Handkamera gedreht. Gute und erfahrene Schauspieler in wiederkehrenden Rollen. Ob Dealer, Stricher oder in einem ifs-Beitrag ähnlicher Machart Boxer im Türstehermilieu, vielfach geht es um junge Männer am Rande der Gesellschaft, die Träume haben, die sich unter den Unterdrückungsbedingungen des Stuttgarter Nachtlebens nicht verwirklichen lassen und osteuropäische Frauen kennen und lieben lernen, die sich in Deutschland mühsam durchschlagen.
Der Versuch einer Anrufung des subkulturellen Milieus, von Migrationsproblematik und osteuropäischem Retro-Charme, um die üblicherweise einfachen Konlfiktlagen der Helden (Identitätssuche, Freischwimmen von der Familie) aufzuwerten, bleibt das, was diese Art Filme fast immer schon waren: bürgerliche Versuche, sich dem Nichtbürgerlichen zu nähern, als Theatergänger den Schiller'schen Räuber in sich zu entdecken. Seltsam angelernt wirken dabei sowohl die Milieus als auch die Drehbücher selbst, die ganz linientreu Aktschemata und gesetzte Plotpoints erkennen lassen, den Aufbau von Figuren mit rivalisierendem Wunsch und Bedürfnis (Want and Need). Ob einmal die Route 66 entlangzufahren oder einen Sommerurlaub in Stavanger zu verbringen, das sind die austauschbaren Träume solcher fahlen Helden. Träume, die wie von den Prospekten der Reiseveranstalter abgelesen klingen.
Stavanger stammte allerdings aus einem Film, der in der Filmreihe ein zweites wiederkehrendes Milieu-Klischee ausbreitete: Das vom Landleben. Der Trend zu einer Wiederanknüpfung an den Heimatfilm, gerne als historischer Bericht über die Zeiten vor der Industrialisierung, scheint mit der fortschreitenden Digitalisierung einherzugehen und bringt ähnlich blutarme Filme hervor wie der Wunsch nach einem dramatisch-kriminellen Dasein.
Überzeugend waren dagegen vor allem die Dokumentarfilme. Gegen die Hochglanzfilme künstlicher Welten, die wie das Warmlaufen für eine Fernsehfilmkarriere wirken, punkten vor allem "authentische Portraits" echter Randexistenzen, Menschenschmuggler an der türkisch-griechischen Grenze zum Beispiel, ein libanesischer Komponist, der mit dem Staatsschutz aneinander geriet. Nicht vergleichbar und doch als Beiträge eines Festivals notgedrungen im Vergleich. Es bleibt der Eindruck, Kleists ironischer Spruch von der Notwendigkeit, einmal um die Welt herum von hinten ins Paradies gelangen zu müssen, seit der Vordereingang versperrt ist, gilt vor allem für den fiktionalen Film.
Freitag, 24. Oktober 2014
Geliebt
Verspätete Notiz: Filmabend mit Jan Soldat
Vor einiger Zeit war ich bei einer Veranstaltung der Kölner ifs mit Jan Soldat. Der Filmemacher stellte seine Filme vor, eine Art sexuelles Kuriositätenkabinett, das der Idee verpflichtet scheint, dass jeder nach seiner Façon selig werden soll. Insofern d’accord. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum reagierte Jan Soldat allerdings äußerst allergisch auf die Äußerung, seine Einstellungen seien ja manchmal „bewusst kunstlos“. Er wies das zurück.
Doch den Eindruck wurde ich bei diesen Filmen nicht los, dass die Kamera oft genug unbefriedigende Ausschnitte kadrierte und der Look der Filme zu sehr mit der Ablehnung der Geste des Gemachten spielt. Die Dinge sind so roh, wie sie die Kamera zeigt. Schwarzbild, nächstes Tableau. Filmemacher und Kamera wollen zurücktreten hinter das Tatsächliche, Alltägliche, das zum Schillern gebracht wird durch die sexuellen Vorlieben der Protagonisten. Die gehören eben nicht zum Alltäglichen, sind kein „Blümchensex“, wie das mal eine Frau mit einer SM-Beziehung in meiner Gegenwart bezeichnet hat.
Geliebt, die Geschichte eines jungen Mannes, der eine Beziehung zu seinem Schäferhund unterhält, war aber nicht wegen der Besonderheit dieser Neigung die stärkste, sondern weil sie Bilder und Orte fand, im Schnee, den dunklen Durchgang unter einer Straße, die mehr erzählen als nur das Aussprechbare und dadurch eine Einsamkeit spürbar machen, zu der die ungewöhnliche Leidenschaft tatsächlich eine Art Ausweg darstellte. Das mag dem Filmemacher bei seinen späteren Filmen als ein zu konventioneller Umgang mit der Bildsprache erschienen sein. Die angebotenen Lösungen fand ich jedoch nur bedingt überzeugend.

Jan Soldat war auf der HFF in Potsdam. Knapp noch zu DEFA-Zeiten hat dort Andreas Dresen sein Studium abgeschlossen. In einer neueren Kritik seiner Filme formuliert Pierre Gras, sie setzten auf „detailverliebte Reportage des Vorhandenen“, auf „künstliche Affirmation des Tatsächlichen“. Auch wenn die Vorwürfe gut belegt sind und ein Interview von Marco Abel die gegensätzlichen Impulse der Filmhaltung Dresens herausarbeitet, rettet meiner Ansicht nach in den gelungenen Momenten vor allem Dresens Humor und wie das immer wieder genannt wird „Charme“, auch Filme, die aufgrund ihres ästhetischen Ansatzes vielleicht problematisch sind. Ich bin da kein Purist.
Wenn der Wunsch, die Dinge „ungeschminkt“ darstellen zu wollen, überhand nimmt, wird die Sache problematisch. Realismus ist ein Stil, das weiß auch Dresen. Der Hauptansatz der Kritik von Pierre Gras ist trotzdem, dass bei Dresen das „Misstrauen gegenüber der Repräsentation“ fehle, das Filme der mit Farocki sozialisierten Regisseure auszeichnet. Dieses Argument trifft auch auf die Filme Jan Soldats zu. Humor und Charme ist bei Jan Soldats Filmen kaum gefragt, am ehesten in Zucht und Ordnung, in dem die Kameraarbeit allerdings unbefriedigend bleibt, speziell in Interview-Situationen. Die Vorliebe für aufsichtige Kamera in der Halbtotalen fand ich irritierend. Mag der Hintergedanke sein, den Zuschauer vor den sitzenden Protagonisten stehen zu lassen oder die Sitzenden aufgrund des Aufzeichnungswinkels besser in ihre direkte Umgebung einzubetten, so blieb für mich im Nachhinein das unschöne Gefühl, der Filmemacher vermeide konsequent eine Filmsituation „auf Augenhöhe“, als wolle er seinen masochistischen Protagonisten gegenüber die Position des „Herren“ einnehmen – die er damit auch dem Zuschauer anbietet. Diese Unbequemlichkeit des Standpunkts wäre vermutlich sogar interessant, wenn die Kadrierungen sitzen würden. Die fast immer zu hohe Kameraposition ist aber auch Ausdruck einer erzählerischen Dominanz, die durch Arrangement und Auswahl des Gezeigten de facto besteht, durch die betonte Schlichtheit von Schnitt und Kadrierung jedoch verschleiert wird.
Auch hier stellt Geliebt eine Ausnahme dar, weil die Kamera ein weniger angespanntes Verhältnis zu ihrem Darstellungsgegenstand sucht.
Vor einiger Zeit war ich bei einer Veranstaltung der Kölner ifs mit Jan Soldat. Der Filmemacher stellte seine Filme vor, eine Art sexuelles Kuriositätenkabinett, das der Idee verpflichtet scheint, dass jeder nach seiner Façon selig werden soll. Insofern d’accord. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum reagierte Jan Soldat allerdings äußerst allergisch auf die Äußerung, seine Einstellungen seien ja manchmal „bewusst kunstlos“. Er wies das zurück.
Doch den Eindruck wurde ich bei diesen Filmen nicht los, dass die Kamera oft genug unbefriedigende Ausschnitte kadrierte und der Look der Filme zu sehr mit der Ablehnung der Geste des Gemachten spielt. Die Dinge sind so roh, wie sie die Kamera zeigt. Schwarzbild, nächstes Tableau. Filmemacher und Kamera wollen zurücktreten hinter das Tatsächliche, Alltägliche, das zum Schillern gebracht wird durch die sexuellen Vorlieben der Protagonisten. Die gehören eben nicht zum Alltäglichen, sind kein „Blümchensex“, wie das mal eine Frau mit einer SM-Beziehung in meiner Gegenwart bezeichnet hat.
Geliebt, die Geschichte eines jungen Mannes, der eine Beziehung zu seinem Schäferhund unterhält, war aber nicht wegen der Besonderheit dieser Neigung die stärkste, sondern weil sie Bilder und Orte fand, im Schnee, den dunklen Durchgang unter einer Straße, die mehr erzählen als nur das Aussprechbare und dadurch eine Einsamkeit spürbar machen, zu der die ungewöhnliche Leidenschaft tatsächlich eine Art Ausweg darstellte. Das mag dem Filmemacher bei seinen späteren Filmen als ein zu konventioneller Umgang mit der Bildsprache erschienen sein. Die angebotenen Lösungen fand ich jedoch nur bedingt überzeugend.

Jan Soldat war auf der HFF in Potsdam. Knapp noch zu DEFA-Zeiten hat dort Andreas Dresen sein Studium abgeschlossen. In einer neueren Kritik seiner Filme formuliert Pierre Gras, sie setzten auf „detailverliebte Reportage des Vorhandenen“, auf „künstliche Affirmation des Tatsächlichen“. Auch wenn die Vorwürfe gut belegt sind und ein Interview von Marco Abel die gegensätzlichen Impulse der Filmhaltung Dresens herausarbeitet, rettet meiner Ansicht nach in den gelungenen Momenten vor allem Dresens Humor und wie das immer wieder genannt wird „Charme“, auch Filme, die aufgrund ihres ästhetischen Ansatzes vielleicht problematisch sind. Ich bin da kein Purist.
Wenn der Wunsch, die Dinge „ungeschminkt“ darstellen zu wollen, überhand nimmt, wird die Sache problematisch. Realismus ist ein Stil, das weiß auch Dresen. Der Hauptansatz der Kritik von Pierre Gras ist trotzdem, dass bei Dresen das „Misstrauen gegenüber der Repräsentation“ fehle, das Filme der mit Farocki sozialisierten Regisseure auszeichnet. Dieses Argument trifft auch auf die Filme Jan Soldats zu. Humor und Charme ist bei Jan Soldats Filmen kaum gefragt, am ehesten in Zucht und Ordnung, in dem die Kameraarbeit allerdings unbefriedigend bleibt, speziell in Interview-Situationen. Die Vorliebe für aufsichtige Kamera in der Halbtotalen fand ich irritierend. Mag der Hintergedanke sein, den Zuschauer vor den sitzenden Protagonisten stehen zu lassen oder die Sitzenden aufgrund des Aufzeichnungswinkels besser in ihre direkte Umgebung einzubetten, so blieb für mich im Nachhinein das unschöne Gefühl, der Filmemacher vermeide konsequent eine Filmsituation „auf Augenhöhe“, als wolle er seinen masochistischen Protagonisten gegenüber die Position des „Herren“ einnehmen – die er damit auch dem Zuschauer anbietet. Diese Unbequemlichkeit des Standpunkts wäre vermutlich sogar interessant, wenn die Kadrierungen sitzen würden. Die fast immer zu hohe Kameraposition ist aber auch Ausdruck einer erzählerischen Dominanz, die durch Arrangement und Auswahl des Gezeigten de facto besteht, durch die betonte Schlichtheit von Schnitt und Kadrierung jedoch verschleiert wird.
Auch hier stellt Geliebt eine Ausnahme dar, weil die Kamera ein weniger angespanntes Verhältnis zu ihrem Darstellungsgegenstand sucht.
Dienstag, 23. September 2014
Eine andere Erinnerung. Unsere Geschichte mit dem Blick des Amateurfilms
26.9.-27.9.2014, jeweils 20:00, Kino 813 in der BRÜCKE, Hahnenstraße 6, 50667 Köln
Der Filmclub 813 stellt die Arbeit des Archivio Nazionale del Film di Famiglia aus Bologna mit einem zweitägigen Filmprogramm vor und fragt: „Kann ein derartiges Filmarchiv nicht im geplanten neuen Kölner Stadtarchiv etabliert werden?“ Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Deutschland keine offizielle Institution die privates 8mm-Filmmaterial schützt. Auch in Deutschland brauchen wir ein nationales Archiv des Familien- bzw. Amateurfilms!
Das Archivio Nazionale del Film di Famiglia - Home Movies in Bologna existiert seit 2002 und sammelt Super8-, 8mm- (=Normal8) und 9,5mm-Filmrollen aus ganz Italien. Der Direktor Paolo Simoni stellt verschiedene Archivmaterialien vor und erläutert die Arbeit seines Archivs.
Das Programm
Freitag, 26.9.2014, 20 Uhr
COME UN CANTO (WIE EIN LIED)
Italien 2010 - OmU - digital (16mm)
Ausschnitte, Notizen und Bilder eines vergessenen Regisseurs. Dieser Film ist eine Rekonstruktion der Beziehung zwischen Antonio Marchi und dem Kino anhand der Amateurfilme, die er in den vierziger Jahren gedreht hat. WIE EIN LIED ist ein Versuch, eine Leidenschaft 60 Jahre später zu rekonstruieren.
EXPANDED ARCHIVE (8mm, S8, 9,5mm, 16mm)
Dieser Film ist ‚work in progress’, der die Sprache des Amateurfilms untersucht. Er dekonstruiert diese Filme auf der semantischen und syntaktischen Ebene und gibt dem Zuschauer einen neuen unerwarteten Blick auf die Bilder.
DIE ZIRKUS-FAMILIE TOGNI - HOME MOVIES
Italien 2006 - 50 Min. - digital (8mm) - Privatfilme aus den 40er-70er
mit einer musikalischen Live-Vertonung (!) von Alessandro Palmitessa. Der Film zeigt die faszinierenden Bilder, die die Familie Togni von den vierziger bis siebziger Jahren gedreht hat.
Als besondere Zugabe wird ein unveröffentlichter Kölner 8mm-Film (15 Min.) präsentiert, der u.a. Aufnahmen aus und vor dem Brauhaus „Hahnenbräu“ in der alten Hahnenstraße am Rudolfplatz vor dem Abriß Mitte der 30er zeigt!
Samstag, 27.9.2014, 20 Uhr
FORMATO RIDOTTO
5 Kurzfilme in verschiedenen Amateur-Formaten aus unterschiedlichen Jahrzehnten
Italien 2012 - OmU - 50 Min. - digital (8mm / Super8 / 9,5mm / 16mm)
Ein Kollektivfilm, zu dem sich fünf italienische Schriftsteller wie z. B. Ermanno Cavazzoni und Wu Ming durch die Amateurfilme aus dem Archivio Nazionale Film di Famiglia haben inspirieren lassen.
CONGRESSO UNIVERSALE D' Esperanto A COLONIA NEL 1933
(Der Esperanto Universal-Kongress in Köln im Jahr 1933)
von Nicolò La Colla - 25 Min. - digital (8mm)
Im Jahr 1933 reiste der italienische Journalist Nicolò La Colla nach Köln um über den Esperanto Universal-Kongress zu berichten. Mit seiner 8mm-Kamera drehte La Colla einen historisch wertvollen Film, der schon die Nazi-Zeit einfängt und das alte Köln vor seiner Zerstörung dokumentiert. Dieser bisher unveröffentlichte Film wird zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.
Die Veranstaltung „Eine andere Erinnerung“ ist eine Idee von Geremia Carrara in Zusammenarbeit mit dem Filmclub 813 e.V.
Der Filmclub 813 stellt die Arbeit des Archivio Nazionale del Film di Famiglia aus Bologna mit einem zweitägigen Filmprogramm vor und fragt: „Kann ein derartiges Filmarchiv nicht im geplanten neuen Kölner Stadtarchiv etabliert werden?“ Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Deutschland keine offizielle Institution die privates 8mm-Filmmaterial schützt. Auch in Deutschland brauchen wir ein nationales Archiv des Familien- bzw. Amateurfilms!
Das Archivio Nazionale del Film di Famiglia - Home Movies in Bologna existiert seit 2002 und sammelt Super8-, 8mm- (=Normal8) und 9,5mm-Filmrollen aus ganz Italien. Der Direktor Paolo Simoni stellt verschiedene Archivmaterialien vor und erläutert die Arbeit seines Archivs.
Das Programm
Freitag, 26.9.2014, 20 Uhr
COME UN CANTO (WIE EIN LIED)
Italien 2010 - OmU - digital (16mm)
Ausschnitte, Notizen und Bilder eines vergessenen Regisseurs. Dieser Film ist eine Rekonstruktion der Beziehung zwischen Antonio Marchi und dem Kino anhand der Amateurfilme, die er in den vierziger Jahren gedreht hat. WIE EIN LIED ist ein Versuch, eine Leidenschaft 60 Jahre später zu rekonstruieren.
EXPANDED ARCHIVE (8mm, S8, 9,5mm, 16mm)
Dieser Film ist ‚work in progress’, der die Sprache des Amateurfilms untersucht. Er dekonstruiert diese Filme auf der semantischen und syntaktischen Ebene und gibt dem Zuschauer einen neuen unerwarteten Blick auf die Bilder.
DIE ZIRKUS-FAMILIE TOGNI - HOME MOVIES
Italien 2006 - 50 Min. - digital (8mm) - Privatfilme aus den 40er-70er
mit einer musikalischen Live-Vertonung (!) von Alessandro Palmitessa. Der Film zeigt die faszinierenden Bilder, die die Familie Togni von den vierziger bis siebziger Jahren gedreht hat.
Als besondere Zugabe wird ein unveröffentlichter Kölner 8mm-Film (15 Min.) präsentiert, der u.a. Aufnahmen aus und vor dem Brauhaus „Hahnenbräu“ in der alten Hahnenstraße am Rudolfplatz vor dem Abriß Mitte der 30er zeigt!
Samstag, 27.9.2014, 20 Uhr
FORMATO RIDOTTO
5 Kurzfilme in verschiedenen Amateur-Formaten aus unterschiedlichen Jahrzehnten
Italien 2012 - OmU - 50 Min. - digital (8mm / Super8 / 9,5mm / 16mm)
Ein Kollektivfilm, zu dem sich fünf italienische Schriftsteller wie z. B. Ermanno Cavazzoni und Wu Ming durch die Amateurfilme aus dem Archivio Nazionale Film di Famiglia haben inspirieren lassen.
CONGRESSO UNIVERSALE D' Esperanto A COLONIA NEL 1933
(Der Esperanto Universal-Kongress in Köln im Jahr 1933)
von Nicolò La Colla - 25 Min. - digital (8mm)
Im Jahr 1933 reiste der italienische Journalist Nicolò La Colla nach Köln um über den Esperanto Universal-Kongress zu berichten. Mit seiner 8mm-Kamera drehte La Colla einen historisch wertvollen Film, der schon die Nazi-Zeit einfängt und das alte Köln vor seiner Zerstörung dokumentiert. Dieser bisher unveröffentlichte Film wird zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.
Die Veranstaltung „Eine andere Erinnerung“ ist eine Idee von Geremia Carrara in Zusammenarbeit mit dem Filmclub 813 e.V.
Donnerstag, 28. August 2014
Vierzig Leben
Nächsten Donnerstag ist um 20:00 Premiere zur Spielzeiteröffnung! Anbei Presse-Informationen des Theaters:
Von der Tapferkeit. Von der Güte. Von der Erfüllung. Von der Liebe. Von der Lust ...
Vierzig solcher „big words“ führt der in Köln lebende Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani in den Kapitelüberschriften seines Erzählbandes „Vierzig Leben“ auf. Vierzig moralische und ethische Begriffe, die merkwürdig antiquiert und leicht realitätsfern klingen. Genau dort aber spürt Kermani ihnen nach: in der Realität. Im Kölner Alltag. Seine gleichnishaft kurzen Veedel-Geschichten behandeln so scheinbar Banales wie das Pausengespräch im Müngersdorfer Stadion oder ein Malheur vor dem Urinal des Café Schmitz. Und doch entdeckt er in ihnen das Heilige im Menschlichen.
Vierzig solcher „big words“ führt der in Köln lebende Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani in den Kapitelüberschriften seines Erzählbandes „Vierzig Leben“ auf. Vierzig moralische und ethische Begriffe, die merkwürdig antiquiert und leicht realitätsfern klingen. Genau dort aber spürt Kermani ihnen nach: in der Realität. Im Kölner Alltag. Seine gleichnishaft kurzen Veedel-Geschichten behandeln so scheinbar Banales wie das Pausengespräch im Müngersdorfer Stadion oder ein Malheur vor dem Urinal des Café Schmitz. Und doch entdeckt er in ihnen das Heilige im Menschlichen.
Premiere: 4. September 2014
Inszenierung: Heinz Simon Keller
Bühne: Tobias Flemming
Kostüme: Hedda Ladwig
Mit: Matthias Lühn, Philipp Sebastian, Sabine Wolf, Mark Zak
Weitere Aufführungen sind am 10., 12., 18. September. Ansonsten siehe Spielplan.
Bühne: Tobias Flemming
Kostüme: Hedda Ladwig
Mit: Matthias Lühn, Philipp Sebastian, Sabine Wolf, Mark Zak
Weitere Aufführungen sind am 10., 12., 18. September. Ansonsten siehe Spielplan.
Mittwoch, 20. August 2014
Rezension Vater Mutter Kind
Gerade eben erst habe ich die Kritik meiner letzten Erzählung bei Amazon Singles von Malte Bremer bei www.literaturcafe.de wahrgenommen, die sehr schmeichelhaft ist.
Hier Auszüge:
Erzählt wird, wie das Leben eines Philosophie-Studenten durch sein Kind aus den Fugen gerät.
Der Protagonist arbeitet seit vier Jahren an einer Dissertation über die »unterschiedliche Verwendungen des Begriffs Habitus bei Thomas von Aquin und Bourdieu«, während seine Frau Geld verdient. Gedanken über seinen eigenen Habitus – also seine Selbstdarstellung – macht er sich nicht. Als das Kind geboren ist und seine Frau zunehmend seinen fehlenden Ordnungssinn rügt, kreist er immer mehr um und in sich selbst, verlässt seine Frau, gibt die Dissertation auf.
Erst am Ende nimmt er seinen Habitus wahr: So ist das mit Theorie und Praxis.
Das Entscheidende an dieser Erzählung ist der schmucklos-lakonische Stil: Man erlebt die Verengung, den Verfall durch die Augen des personalen Erzählers – also nicht eines Ich-Erzählers, der auswählt, was Leser wissen dürfen.
Das entwickelt einen starken Sog! So erfahren wir sehr früh, wie der Protagonist heftig mit seiner Frau streitet, während er sich gleichzeitig als derjenige sieht, der immer nachgibt und jedem Streit aus dem Wege geht.
Unklar bleibt, wovon der Student eigentlich lebt, nachdem er ausgezogen ist – aber diese Schwachstelle weisen viele zeitgenössische Romane auf: Deren Figuren haben halt irgendwie Geld.
Dennoch bleibt »Vater, Mutter, Kind« eine überaus lohnende Erzählung.
Hier Auszüge:
Erzählt wird, wie das Leben eines Philosophie-Studenten durch sein Kind aus den Fugen gerät.
Der Protagonist arbeitet seit vier Jahren an einer Dissertation über die »unterschiedliche Verwendungen des Begriffs Habitus bei Thomas von Aquin und Bourdieu«, während seine Frau Geld verdient. Gedanken über seinen eigenen Habitus – also seine Selbstdarstellung – macht er sich nicht. Als das Kind geboren ist und seine Frau zunehmend seinen fehlenden Ordnungssinn rügt, kreist er immer mehr um und in sich selbst, verlässt seine Frau, gibt die Dissertation auf.
Erst am Ende nimmt er seinen Habitus wahr: So ist das mit Theorie und Praxis.
Das Entscheidende an dieser Erzählung ist der schmucklos-lakonische Stil: Man erlebt die Verengung, den Verfall durch die Augen des personalen Erzählers – also nicht eines Ich-Erzählers, der auswählt, was Leser wissen dürfen.
Das entwickelt einen starken Sog! So erfahren wir sehr früh, wie der Protagonist heftig mit seiner Frau streitet, während er sich gleichzeitig als derjenige sieht, der immer nachgibt und jedem Streit aus dem Wege geht.
Unklar bleibt, wovon der Student eigentlich lebt, nachdem er ausgezogen ist – aber diese Schwachstelle weisen viele zeitgenössische Romane auf: Deren Figuren haben halt irgendwie Geld.
Dennoch bleibt »Vater, Mutter, Kind« eine überaus lohnende Erzählung.
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