Dienstag, 22. November 2011

Ästhetik des Widerstands?

Ergänzung zu einem Post bei Parallelfilm zum blog halbnah und der dortigen Verhandlung einer Rede von Thomas Brasch anlässlich der Preisverleihung 1981 durch Franz Josef Strauß für den Film "Engel aus Eisen"

Auch der Film "Deutschland im Herbst" spricht nicht mit einer Sprache und schon gar nicht aus einer politischen Perspektive. Und eine Preisverleihung durch FJS - der ja Autoren wie Grass gerne mal als "Schmeißfliegen" bezeichnet hat und eine Säuberung der deutschen Sprache befürwortet hat - fällt schon ganz besonders unter das, was Thomas Bernhard in "Wittgensteins Neffe" als "auf den Kopf machen" bezeichnet hat. Auch gegen Herrn Rohrbach wäre das ein oder andere einzuwenden, aber nicht offene Feindseligkeit gegen politisch aktive Exponenten des Kulturbetriebs. Die politische Diskussion zu Braschs Zeiten kannte auch schon Positionen wie die Adornos, nach der künstlerisch-politisch avanciert nicht unbedingt heißt sich mit seiner Kunst der politischen Aktion zu verschreiben. Verstrickungen sind unentrinnbar. Entscheidend ist, wie man mit dem Schmerz darüber umgeht, wenn man ihn verspürt.

Kommentare:

PARALLEL FILM hat gesagt…

Hallo Marcus,

das habe ich mich auch gefragt: hätte ich bei der Verleihung des Rohrbach-Preises den Brasch machen sollen? Ich glaube nicht, dass das die richtige Bühne gewesen wäre, um politische Prinzipien zu reiten. Schon weil Rohrbach eben nicht „den Staat” repräsentiert, sondern allenfalls eine bestimmte Perspektive auf den Film. Aber das Interessante an seiner Filmografie ist ja gerade die Vielfalt. Bei allen politischen Differenzen (zum Beispiel in Sachen Filmakademie) kann ich nur den Hut ziehen vor seiner Lebensleistung als Produzent (und WDR- bzw. Bavaria-Chef). Insofern war meine Freude über den Preis, auch jenseits der Dotierung, echt...

Christoph

subtext hat gesagt…

Ich habe jetzt übrigens im Briefwechsel Unseld/Bernhard gefunden, dass Thomas Bernhard das Vorbild zum "auf den Kopf machen" in Form eines realen Skandals selbst geliefert hat. Als er bei einer "Dankrede", die er vor dem österreichischen Kulturminister halten sollte, gelang es ihm mit wenigen Sätzen wie "Wir sind nichts und verdienen nichts besseres als das Chaos" das Auditorium gegen sich aufzubringen 1970, glaube ich. Die Provokation gehört essentiell zur Preisverleihung. Nur ist eben gerade Rohrbach sicher der falsche Adressat.