Montag, 4. Juni 2012

Revolver Heft 26







"Kann man Manifeste auf Bestellung schreiben? Wir haben
befreundete Filmemacher gebeten es zu versuchen.
Das Ergebnis ist heterogen und gegenwärtig und erlaubt
ein Stimmungsbild einer post-post-politischen
Generation, die weder Opas noch Papas Kino an den
Kragen will – aber die Faust ist trotzdem in der Tasche.

Das Heft erscheint mehrsprachig, um allen Autoren die
Lektüre aller Manifeste zu erlauben. Deutsche Manifeste
wurden ins Englische, Englische und Französische
ins Deutsche übersetzt."

Enthalten sind Manifeste von Marie Vermillard, Apichatpong Weerastethakul, Nina Menkes, Klaus Lemke, Claire Denis, Christoph Hochhäusler, Romuald Karmakar, Franz Müller u.v.a.

Freitag, 11. Mai 2012

Nirgendwo in Afrika

Im neuen filmdienst (Heft 10/2012) ist ein Artikel von mir abgedruckt. Untertitel: Deutsch und weiß: Aktuelle deutsche Spielfilme über den „schwarzen Kontinent“. Hier ein Auszug:

"Afrikanische Boat People sind im deutschen Film momentan gerade „in“; das gilt in gewisser Weise für das Thema „Afrika“ generell. So gibt in Pia Marais’ „Im Alter von Ellen“ ein Gepard beim Zwischenstopp in Afrika das Signal für den Ausbruch im Leben der Protagonistin. „Schlafkrankheit“ von Ulrich Köhler spielt zu großen Teilen unter Deutschen in Kamerun und führt dabei tief ins Herz der Finsternis des Kolonialismus und seiner Widersprüche.

Die neuen Flüchtlingsfilme bleiben dabei nahe an der medialen Wirklichkeit von Nachrichtensendungen, deren Ästhetik sie den kontrastscharf gezeichneten opulenten Kinobildern von Urlaubsszenarien und flatternden Plastikfolien der Flüchtlingscamps gegenüberstellen. Die Möglichkeiten einer ironischen Brechung, etwa durch Film im Film wie in Aki Kaurismäkis „Le Havre“, werden ausgeschlagen. Wahr sollen diese Geschichten sein und engagiert im Namen der Menschlichkeit. Doch die Form der inhaltlichen Fokussierung führt – wie bei den Nachrichtenschnipseln – zu einer problematischen Verkürzung der Ereignisse auf Sensationswert und Betroffenheitsrituale."

Boaz Kaizman im Filmforum, 1. Juni

Hier ein Veranstaltungshinweis in eigener Sache:

Freitag, 01.06. 20.00h
Short Visions

71gedichte.boazkaizman.de
Präsentation und Gespräch über die online Ausstellung 71gedichte.boazkaizman.de von und mit Boaz Kaizman.
Moderation: Marcus Seibert

Die Idee dieses Projekts ist es, den gewöhnlichen Ausstellungs-Raum durch eine internetbasierte Plattform zu ersetzen, auf der die Ausstellung 71gedichte.boazkaizman.de zugänglich ist. Die technische Herausforderung besteht dabei darin, alle Vorteile eines konkreten Ausstellungsraums erhalten und die Vorteile des Internets hinzuzugewinnen.

Zum Abschluss:
BLUMBERG
Boaz Kaizman und Erik Sick 2010, 7 Min, Video, englisch, Darsteller: Steve Hudson
Joseph Blumbergs Begegnung mit der Realität ist eigenartig und zwanghaft. Er hat beschlossen seine für ihn schon langweilige Depression mit Hilfe des Vergessens zu entwurzeln.

Eine Veranstaltung des Europäischen Kurzfilmfestival Köln UNLIMITED in Zusammenarbeit mit dem Filmforum NRW
Eintritt: frei

Mittwoch, 21. März 2012

Uhrzeiten

Formen überleben oft den Zweck und Inhalt ihrer Erfindung. Ein solches totes Gleis formaler Entwicklung ist die kleine innere rechte Hosentasche meiner Jeans, in der ich für Einkaufswagen gewöhnlich ein Euro-Stück bereithalte. Diese Tasche ist eine Uhrentasche und es ist verwunderlich, dass sie, einer alten Konvention folgend, immer noch Hosen eingenäht wird, die für Träger bestimmt sind, die niemals eine Taschenuhr tragen werden, nicht mal mehr eine Armbanduhr. Die Taschenuhr war in einer Öffentlichkeit, in der Präzision eine Rolle spielte, ein Wettbewerbsvorteil, gleichzeitig Schmuckstück, Wertgegenstand, der sich vererben ließ. Das hat sich längst auf die immer wieder nachzustellende Armbanduhr übertragen. Billige Armbanduhren ließen sich als Zeitmesser in Chinatown vor Autoreifen schieben. Präzisionsuhren sind noch heute teurer Männerschmuck, aber sie haben ihre Funktion verloren, wie die öffentlichen Normaluhren, die säkularen Nachfolger der Turmuhren. Ihr Verschwinden deutet keineswegs den Niedergang der Chronometrie an. Diese Uhren sind durch die Vielzahl elektrischer und elektronischer Uhren, netzgestützter Präzisionsuhren überflüssig geworden. Jedes Handy, jede Parkuhr, jede Bushaltestelle, jeder Receiver, jedes technische Gerät vom Computer bis zur Alarmanlage zeigt ungefragt die Zeit an, wobei die Zeiten bei Funkuhren oder Internetverbindung zudem bis auf Millisekunden synchronisiert sind. Die computergestützte Chronometrie feiert den Triumpf der Genauigkeit und Allgegenwart der Uhr. Die Uhrentaschen erinnert daran, dass Uhren stehen bleiben und falsch gehen konnten, aber auch, dass sich die Zeitvermessung nach wie vor an den Menschen abarbeitet, die sich nicht an sie halten wollen.

Dienstag, 20. März 2012

71 Gedichte

Unter diesem Titel wird Boaz Kaizman Ende März eine Ausstellung im Internet eröffnen www.71gedichte.boazkaizman.de. Begleitend gibt es einen Blog, auf dem von mir Texte eingestellt werden, die mit der Thematik der Ausstellung in Zusammenhang stehen www.71gedichte.blogspot.com. Wer sich beteiligen will, ist herzlich dazu aufgerufen.

Montag, 20. Februar 2012

Krämer's Monthly

Thorsten Krämer veröffentlicht derzeit monatlich einen Band im Selbstverlag. Das Experiment mit Texten verschiedener Genres und verschiedenen Umfangs trägt den Boulevard-nahen Titel "Krämer's Monthly". Nicht ganz zufällig widmet sich der erste Band "Pfleghar-Phantasie" dem Unterhaltungsfernsehen, mit dem Thorsten Krämer in letzter Zeit auch als Autor Tuchfühlung bekommen hat. Allerdings reicht die Beschäftigung mit Michael Pfleghar, dem ursprünglich ein Roman gewidmet war, weit vor diese Zeit zurück. Überhaupt ist seinen Texten schon seit Langem enge Tuchfühlung zum Film anzumerken, nicht erst seit seinem Beitrag für Volker Pantenburgs Minutenbuch zu "Night of the hunter". Pfleghar wird in dem Band als zwiespältiger Heros einer Wirkungsgeschichte des öffentlich-rechtlichen Unterhaltungsfernsehens im Rahmen einer Medienarchäologie der 70er und 80er Jahre präsentiert, als verkanntes Genie einer Ästhetik, in der sich Unterhaltung, Klamauk und Kunst keineswegs ausschließen. Allein die brillanten Analysen heute historischer Showsendungen – unter filmwissenschaftlichen Aspekten gilt das als uninteressant bis verpöhnt – machen diesen Band unbedingt lesenswert. Aus der Distanz wird sichtbar, was für heutige Fernsehästhetik wegweisend war und inwiefern sich Hochkultur und Unterhaltung eben nur trennen lassen, wenn man sie aus kulturpolitischen Erwägungen trennen will. Die Zielrichtung der Analysen ist ähnlich wie die des ebenfalls äußerst lesenswerten Buchs über Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" von Manfred Hermes. Man darf gespannt sein, wie "Krämer's Monthly" weitergehen wird. Die Hefte sind unter www.yeh.de zu subskribieren. Es ist dem Autor, der sich auch in seiner Prosa immer um einen Standpunkt quer zum Gängigen bemüht, zu wünschen, dass die Veröffentlichungsreihe weiteres Interesse findet.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Analyse der Komik

Das Filmforum NRW setzt eine neue Veranstaltungsreihe zum Thema Komik und Film auf. Ein Thema, das chronisch unterrepräsentiert ist, weil die Analyse von Komik in ihrer Unwitzigkeit oft als Widerspruch angesehen wird. Nicht nur beim Witz im Film steht und fällt alles mit dem, der es sagt, und wie er es sagt. Gerade deshalb aber darf man zumindest bei den ersten beiden Veranstaltungen im Ludwig-Forum in Köln gespannt sein. Four Lions war eine anarchische und politisch durch und durch unkorrekte Britcom der schrägsten Sorte und Peter Rabenalt nennen zahlreiche Regisseure, die an der HFF in Potsdam studiert haben, wie etwa Andreas Dresen als wichtigen und vor allem unorthodoxen dramaturgischen Lehrmeister. Der Beispielfilm von Billy Wilder zählt zu meinen Lieblingskomödien und interessant dürfte auch die zufällig genau fünfzig Jahre betragende Spanne zwischen beiden Filmen sein.

Mittwoch, 14.3., 19.00h
Prolog: Lachen erlaubt?
Gespräch mit dem Filmemacher und Comedian Chris Morris
Filmprogramm: FOUR LIONS, Chris Morris 2010

Donnerstag, 22.3., 19.00h
Exposition: Ökonomie und Mechanik des Komischen
Vortrag von Peter Rabenalt, Prof. für Film- und Fernsehdramaturgie
Filmprogramm: THE APARTMENT, Billy Wilder 1960